Herkunft

Der Hintergrund zur planmäßigen Züchtung weißer Hunde liegt bereits sehr weit zurück.

Der römische Schriftsteller Marcus Terrentius Varro (116 – 27 v.Chr.) schrieb bereits über weiße Hütehunde, welche die Herden gegen Wölfe bewachten. Die Schäfer gaben den weißen Hunden den Vorzug, weil sie sich vor allem nachts von den Wölfen unterscheiden ließen. Auch Columella (ca. 60 n.Chr.) schrieb über weiße Hütehunde.
 
Zu dieser Zeit teilte man die Hunde in drei Kategorien auf. Da gab es die großen, mehr als 50kg schweren Hunde, die bevorzugt als Hütehunde mit der Farbe weiß eingesetzt wurden. Dann gab es noch kleinere Hütehunde in allen Farben. Lediglich vereinzelt in weiß. Und zu letzt noch die Hunde aller Größen im Spitz-Typ. Diese Hunde waren farblich unauffällig grau gestromert (wolfsfarben), nur wenige schwarz, braun oder weiß.

Der erste Hund im Zuchtbuch für Deutsche Schäferhunde (Verein gegründet April 1899 von Rittmeister Stephanitz und Arthur Meyer) war der Rüde Horand von Grafrath. Besitzer war Rittmeister Max von Stephanitz (1864 – 1936), der diesen Hund unter dem Namen Hektor Linksrhein von dem Züchter Friedrich Sparwasser erwarb und ihn nach seiner eigenen Zuchtstätte „Grafrath“ umbenannte.

Stephanitz war auf der Suche nach einem kraftvollen, gesunden und intelligenten Hund mit Stehohren, mittellangem und wetterbeständigen Haarkleid und einem freundlichen Charakter und anhänglichen Wesen. Der Hund sollte folgsam und leicht zu führen sein. Den Urvater (Hektor Linksrhein, geb. 1.Januar 1895), fand er am 3. April 1899 auf einer der ersten Ausstellungen für Deutsche Zuchthunde. Der Großvater des berühmten Stammvaters aller Schäferhunde gehörte Baron von Knigge, hörte auf den Namen Greif (geb. 1878) und hatte die Farbe weiß. Auch die Vollgeschwister von Greif, Greifa und Greifa II trugen die Farbe weiß.

Seit dem Jahr 1933 ist die Farbe weiß aus dem Zuchtstandard für Deutsche Schäferhunde ausgeschlossen.
Durch die genetische Verankerung der Farbe in der Rasse wurden weiterhin weiße Schäferhunde geboren. Dank der offenen Einstellung einiger Züchter in Übersee wurde dieser Farbschlag erhalten. Im Jahr 1917 wurden im Zwinger von Anne Tracy, New York, ein Wurf Deutscher Schäferhunde geboren. Vier der Welpen waren weiß, einer davon trug den Namen Stonihurst Edmond.

Erst Ende der siebziger Jahre kam der Weisse Schäferhund nach Europa zurück, zuerst in die Schweiz, ab den achtziger Jahren auch wieder nach Deutschland. In der Schweiz war es der Zwinger von Kron mit Kurt Kron, der 1970 die ersten Weissen Schäferhunde aus den USA (eine Tochter von Lobo White Burch aus der White Lilac of Blinkbonny) und aus Dänemark den Rüden Kokes Mahalo importierte.

In Deutschland begann Martin Faustmann (Zwinger von Ronanke) mit dem Rüden Champion von Kron und der Hündin Rani von Finn (aus der Zucht von Terri Scofield, Connecticut, USA) seine Zucht.

Im Jahr 1981 fiel in dem Zwinger von Ronanke der erste Wurf Weisser Schäferhunde.

Martin Faustmann importierte 1984 ebenfalls die Weissen Schäferhunde Sherman’s Wes-Greif und Sherman’s Gail Diana aus dem Zwinger von Wesley Sherman jr., Michigan, USA. Damit war auch der Grundstein in Deutschland gelegt.
Im Jahr 1981 wurde der erste Verein gegründet. Es folgten weitere, die leider zu einer Zersplitterung innerhalb der Weissen Schäferhund-Szene führen.

In jüngster Zeit gibt es große Bemühungen, sich unter einem Dach zu treffen. Hoffen wir, dass dieses Engagement erfolgreich ist zum Wohle der Rasse.

Die Farbe weiß ist bei den Deutschen Schäferhunden keine Mutation, sondern genetisch in dieser Rasse verankert.

Im September 1899 wurde der Zuchtstandard für Deutsche Schäferhunde festgelegt. Erlaubt waren damals alle Farbschläge. Berno von der Seewiese (geb. 1913) wurde als erster deutscher weißer Schäferhund in das Zuchtbuch des Deutschen Schäferhundes eingetragen. Er ist ein Nachkomme Horand von Grafrath’s. Sein Bild ist in der 1. Auflage des Buches „Der Deutsche Schäferhund in Wort und Bild“, geschrieben von Rittmeister Stephanitz, zu sehen.

Wir möchten Ihnen noch einige Hinweise zur Rassebezeichnung geben.
In Deutschland ist die Bezeichnung Weisser Schäferhund gebräuchlich. Häufig wird auch der Zusatz “AC” (Amerikanisch-Candanisch) verwendet (Martin Faustmann prägte in Deutschland die Bezeichnung AC Weisser Schäferhund).

Von der UCI ist der Weisse Schäferhund bereits seit vielen Jahren als AC Weißer Schäferhund anerkannt. In den USA und Kanada, wo diese Rasse letztendlich hervorgebracht wurde, existiert die Rassebezeichnung Weisser Deutscher Schäferhund.

Die FCI hat den Weissen Schäferhund als “Weißer Schweizer Schäferhund” seit Dezember 2002 anerkannt.

Egal welche Rassebezeichnung diese herrlichen Hunde tragen: In ihrem Herzen sind sie alle gleich.

( Text mit Genehmigung der Verfasser entnommen von http://www.von-burg-blankenheim.de  )

 

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